02.09.-07.09.2009 / Lappland

Am zweiten Tag erreichen wir mitten im Wald eine kleine Hütte. Wir sind von oben bis unten nass, das Wasser in meinen Schuhen bildet die Seen 187,889 und ,890 in Finnland. In der kleinen Hütte finden wir Wärme und Ruhe. Feuern wir also den Ofen an, hängen die nassen Socken auf die Leine und lehnen uns einen Moment zurück.

180° Drehung nach Sonnenuntergang am ersten Abend in Lappland.

180° Drehung nach Sonnenuntergang am ersten Abend in Lappland.

02.09.2009

Am Mittwoch Abend brechen Chris und ich aus Tampere auf. Wir haben noch einige Zeit in die Vorbereitung gesteckt, uns mit Ausrüstung und Proviant versorgt. Jetzt sitzen wir im Zug, der uns in 12h ein ganzes Stück nördlich des Polarkreises in die Wildnis entlässt. Wir verbringen die Nacht im Zug, schlafen eher schlecht als recht, genießen den frühen Sonnenaufgang auf 66° nördlicher Breite und planen so weit möglich unsere Route.

Chris plant die Route im Nachtzug nach Kolari.

Chris plant die Route im Nachtzug nach Kolari.

03.09.2009

Äkaslompolo ist der von uns gewählte Startort der 3-tägigen Wanderung durch die Lappländische Natur. Noch begegnen wir immer wieder Menschen, die rund um die Hotels der Gegend auf Tageswanderungen gehen. Doch kaum etwas tiefer in den Wald vorgedrungen, begegnen uns kann plötzlich die ersten Rentiere, die uns genauso erstaunt anschauen, wie wir sie. So früh und so nah hatten wir gar nicht mit ihnen gerechnet. Überraschenderweise bleiben Rene ein nahezu schon gewöhnlicher Anblick in den nächsten Tage. Ihre Größe und Anmut faszinieren mich und zumindest die ersten 15 sehe ich nicht nur einmal durch meinen Kamera-Sucher.

Erstaunte Menschen treffen auf erstaunte Rentiere (I).

Erstaunte Menschen treffen auf erstaunte Rentiere (I).

Erstaunte Menschen treffen auf erstaunte Rentiere (I).

Erstaunte Menschen treffen auf erstaunte Rentiere (II).

Erstaunte Menschen treffen auf erstaunte Rentiere (III).

Erstaunte Menschen treffen auf erstaunte Rentiere (III).

Nach 13km am ersten Halbtag schlagen wir unser Zelt in der Nähe einer Wildhütte auf, machen Feuer und warten bei Chinanudeln und Salami auf den Sonnenuntergang. Er wird für mich der schönste Eindruck der Reise bleiben.

Sonnenuntergang am ersten Abend.

Sonnenuntergang am ersten Abend.

Abendliches Lagefeuer in der Dunkelheit des Waldes.

Abendliches Lagerfeuer in der Dunkelheit des Waldes.

04.09.2009

Auch wenn Finnland prinzipiell als flach gilt, können auch kleine Hügel ganz schön zu schaffen machen. So die körperliche Qunitessenz des zweiten Tages. Doch der Blick vom Dach Lapplands und die plötzlich karge Landschaft entschädigen für jeden noch so kleinen Schweißtropfen beim Aufstieg. Während in geringeren Höhen die Birken schon gelb funkeln, sind die etwas höher gelegenen Bäume kahl und keine Birken mehr weit und breit zu sehen. Nur Rene.

Schon nach diesem Anblick hatte sich unsere Reise gelohnt.

Schon nach diesem Anblick hatte sich unsere Reise gelohnt.

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Nach 11km und dem Abstieg vom letzten Fell des Tages beginnt der Regen. Wir sind vorbereitet, werfen Regenjacke, -hose, Schutz für den Rucksack und noch einen Poncho über. Doch wie sich herausstellt, ist in Lappland bei Regen der Blick gen Himmel der Falsche. Denn während wir bis zu den Knöcheln angenehm warm bleiben, saugen die flächendeckend wachsenden Blaubeeren auf dem Boden erst das Regenwasser auf und geben es anschließend nur zu gerne an unsere Schuhe weiter. Kein Entrinnen möglich. Nach 15 Minuten Blaubeeren tapsen schwimmen meine Füße.

Doch leicht maulig erblicken wir im Wald endlich eine Wildhütte, die wir laut Karte schon lange erwartet hatten. Sie bewahrt uns davor, das Zelt aufzuschlagen und eine feuchte Nacht verbringen zu müssen.

Hier, in der Hütte, ist meine Welt richtig in Ordnung. Wir feuern den Ofen an, Chris baut eine Halterung, die es ermöglicht, die Schuhe über dem Ofen zu trocknen. In den nächsten Stunden dreht er Schuhe wie ein Schwein am Spieß.

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Uns wird angenehm warm, auch wenn der Regen draußen nicht aufhören mag. Der Abend wird mit Männer Stadt-Land-Fluß eingeleitet und in den letzten Stunden blättere ich ungefähr 200mal eine Seite in meinen Schätzing-Buch um. Der Ofen gibt noch eine wohlige Wärme ab, als wir einschlafen.

05.09.2009

Der Regen hält an. Nach den Erfahrungen des Vortags ändern wir unsere Route ein wenig. Anstatt weiter mit den Blaubeeren querfeldein zu konkurrieren, wählen wir den direkten Weg zur nächsten “Straße”, um dort mit hoffentlich trockneren Füßen voranzukommen. Vorher frühstücken wir ausführlich, Chris verewigt uns mit einem herzzerreißenden Beitrag in der Hütten-Bibel und unsere Wasserflaschen füllen wir am Tümpel nebenan auf.

chris eintrag in das wildhütten-buch.

chris eintrag in das wildhütten-buch.

Der Regen hält an. Wir haben die erste und von dort auch schon die große nächste Hauptstraße erreicht. Mittlerweile haben wir bereits 8 Kilometer am heutigen Tage erlaufen. Es regnet und erstmal geht nichts mehr. Der geplante Nachtrastplatz ist noch viele Kilometer weg, der Regen hält an und eine genaue Vorstellung, wie wir morgen von dort zum Bahnhof kommen, haben wir auch nicht. Mit dem herausgestreckten Daumen haben wir das Glück herausgefordert und gewonnen. Ein einsilbiger, aber freundlicher Finne nimmt uns weiter mit als eigentlich für den Tag geplant. Wir werden im Ort, den wir eigentlich erst morgen erreichen wollten abgesetzt und als wäre dies nicht schon genug, überrascht er uns, als er uns zum Abschied zwei Bier (Lapin Kulta) in die Hand drückt. So ist er also, der Polar-Finne. Konnten wir uns ja kein großes Bild von machen bisher, hatten wir ja mehr Ren als Menschen in den letzten Tagen gesehen.

Und so endet der letzte Abend in Lappland wieder gemäßigt zivilisiert auf einem Campingplatz mit warmer Dusche und Einbauküche. Naja, zivilisert… Wir geraten auf dem Platz in das Ooktoberfestii des Dorfes. Die Grundzüge der Wiesn’ scheinen hier bekannt und seit langem Tradition, hält es doch kaum noch jemanden auf den Beinen.

die heiße finnische cover-band mit der konfettikanone.

die heiße finnische cover-band mit der konfettikanone.

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Nach exzessivem Getanze zu einer großartigen Coverband gehe ich am letzten Abend mit dem Gefühl in meinen Sack, das mein erstes Oktoberfest nirgendwo besser begangen werden konnte, als in Muonio, Lappland, Finnland.

06.09.2009

Abreisetag. Mit dem Bus zurück nach Kolari. Rentierburger zum Mittag (YAMI!!!) und die Nacht im Zug verbringen.

07.09.2009

Schon wieder in Tampere. Noch 6h bis zur Vorlesung EU-Integration.

Rund ums Wildnis-Feuer saßen in den letzten Tagen.

IMG_3614

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chris.

chris.

& Martin

& Martin



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