07.05-11.05.2009 / Riobamba, Alausi, Guayaquil; ECU
Riobamba (Santa Anita Community)
Nach den erlebnisreichen Tagen in Baños ging es zur St. Anita Community an den Fusse des Chimborazo Vulkans, nach ecuadorianischer Definition die hoechste Erhebung der Welt (Glaube keinen Statistiken, die du nicht selbst gefaelscht hast… Die ecuadorianische Definition klingt fast plausibel) Am Nachmittag angekommen bot sich das schoenste Schauspiel im Laufe des Abends, als die Sonne langsam hinter dem Vulkan verschwand und ihn dabei in feuriges Rot tauchte (s. Fotos). Interessant vor allem aber die Lebensverhaeltnisse der Bewohner. Ich habe seltener ein einfacheres Leben gesehen, als das, was die Indios hier leben. Haueser, die ausser einer Matraze, einem Kofferradio und einer kleinen Kueche wenig bieten ausser Kaelte, Feuchte und allerhand Tiere.
Jeder Erwachsene bestellt sieben Tage taeglich von Morgengrauen bis Sonnenuntergang sein Feld oder huetet die Tiere, Kinder gehen bis sie 15 sind zur Schule und helfen am Wochenende bei der Arbeit. Auf die 3 Suenden – Diebstahl, Faulheit und … – steht hier noch die Pruegelstrafe. Bei ersten und leichten vergehen wird der Delinquent mit einer Kette aus Brennesseln geschlagen, bei wiederholten und schwereren Vergehen droht eine noch ungleich grausamere Bestrafung. Der Beschuldigte wird dabei bis abends auf den Chimborazo bis auf Hoehe der Schneegrenze gebracht, entkleidet und mit kaltem Wasser uebergossen. Den Weg in die Community muss er nachts, alleine und nackt antreten. Der etwa 6h Marsch zurueck ermoeglicht den Wiedereintritt in die Gemeinschaft. Seine Privilegien hat der Gefolterte aber verloren und er beginnt mit einfachsten Taetigkeiten seinen Ruf wieder aufzubauen.
Die Wanderung zur Schneegrenze und zu den Eismienen, war das anstrengenste, was ich in den letzten Monaten erlebt habe. Oben angekommen war die Erleichterung bei allen riesig. >> Karte (5200m)
Noch ein Wort zum Kulinarischen. Ja, es stimmt, ich habe ein bisschen am Hamsterbeinchen gekaut. Was bei uns als Haustier bestens umsorgt wird, landet in den Andenregionen als Delikatesse auf dem Teller. Frisch ueber dem offenen kamin geroestet ist schwer zu unterscheiden, ob man nun gerade eine aussergewoehnlich grosse Ratte oder tatsaechlich ein schoenes Meerschwein vertilgt. Mein Geschmack war es nicht, andere liessen es sich nicht nehmen, die Hamster-Aeuglein auf der Zunge tanzen zu lassen. Tine, deren Hamster vor einem halben Jahr in den Tierhimmel aufgestiegen ist, verzichtete auf ihr Abendmahl. Dave, unverschaehmt wie immer, konnte sich folgende Frage nicht verkneifen: “Tine, would you recognize your hamster without a coat on?”
Alausi
Enttaueschende Fahrt auf der einzigen Bahnstrecke Ecuadors gemacht. Was als einmalige Ingenieursleistung angepriesen wurde war deutlich ueber Wert angeboten. Interessant vielleicht eher die Historie. Wir sind auf einem Teilstueck der Bahnstrecke Quito – Guayaquil gefahren. Von den 30ern bis in die 70er die schnellste Verbindung zwischen den beiden Grossstaedten (Bahn: 14h, Kutsche/Auto zu der Zeit: 2-3 Tage). Nach dem Bau der ersten Highways fuer die grosse Wirtschaft unwichtig geworden verfiel die Strecke zunehmend. Viele Indi-Communities, die durch die Bahnstrecke an die zivilisierte Welt angeschlossen wurden, waren nun wieder abgeschottet und nur umstaendlich ueber die Highways erreichbar. Das derzeit einzig noch befahrbare Stueck ist der Abschnitt Riobamba – Devils Nose, den wir gefahren sind. Der gerade wiedergewaehlte Praesident hat jedoch versprochen, die Strecke Quito – Guayaquil wieder komplett in Betrieb zu nehmen, erste Bahnstation werden dazu gerade restauriert, Schienen wieder verlegt. Grosses Vorhaben…
Guayaquil
Zurueck in die Grossstadt. Unerwartet ueberfaellt mich Aufregung, als wir in die Vororte von Guayaquil, dem wirtschaftlichen Zentrum Ecuadors fahren. Wir haben nur einen Abend und so bleibt nicht viel Zeit. Guayaquil ist unglaublich hektisch, laut und bunt. Ausser Essen, Spaziergang durch die Altstadt, ein paar Bier in einer Bar und der Besuch einer Salsa-Disktohek gab es nicht viel. Im Club gab ich mein erstes Interview auf spanisch fuer das Guayaquiler Stadtfernsehen. Wenn ich Glueck habe, landet der peinliche Auftritt nicht auf Youtube.

Die dritte Sünde war Lügen.