29.04.-02.05.2009 / Tena, Cotopaxi; ECU
Die Zeit verrinnt schnell. Fast zwei Wochen seit dem letzten Zeichen von mir sind vergangen. Mittlerweile habe ich mich fast einmal komplett durch Ecuador geschlagen. Im Zeitraffer, aber voller Intensitaet sah ich wohl die bedeutenste Eigenschaft dieses Landes. Seine Vielfalt. Beginnend in Quito, politische Schaltzentrale des Landes im Tal der beiden Andenruecken, ging es nach Tena, der Dschungelhauptstadt des Landes, von dort an den Fuss des Vulkans Tungarahua nach Baños und weiter in die Hoehe der Andenstadt Riobamba. Eine kurze touristische Zugfahrt in Alausi, und ab in den Bus in das wirtschaftliche Zentrum Guayaquil an der Kueste . Mittlerweile am Strand von Montañita, der Surfer-Hauptstadt Ecuadors. Jede Region zu 90% unterschiedlich von der vorherigen. Jede Busfahrt der Eintritt in ein eigentlich voellig selbststaendiges und unabhaengiges Terrain. Das alles in wenigen Tagen. Die Geschichten sind zahlreich. Zumindest ein,zwei will ich mit euch daheimgebliebenen teilen.
Vulkan Cotopaxi
An meiner vierten Tag in Quito und mit dem Gefuehl die Hoehe im Griff zu haben wagte ich mich in mein erstes Abenteuer. Hoch auf den Vulkan Cotopaxi, einem aktiven Vulkan zwei Stunden entfernt von Quito. Ein Jeep brachte mich, August aus Seattle und zwei weitere auf 4626m. Endstation fuer Jeeps. Von da aus stellten wir unsere Mountainbike-Kenntnisse unter Beweis und fuhren mit immensem Tempo oder wahlweise dauerhaft angezogener Bremse von 4626 auf knapp 2800m hinab. Wahnsinn ist, wie schnell sich die Wetterverhaeltnisse aendern koennen. Auf 4626m blies es uns fast weg, kaum stehen war moeglich. Nach fuenf Minuten steil bergab rissen wir uns alle Jacken vom Leib, um nicht als “a la plancha” (gegrillt) zu enden. Vom Funfaktor absolut grossartig, weil sauschnell, von der Landschaft absolut atemberaubend. Das Gefuehl auf die Welt aus ueber 4600m zu sehen ist wahnsinn.
August war diesmal CvD-Fotografie und hat auch seine Eindruecke aufgeschrieben:
Tena / Cotopari Community
Nachdem ich meine nun in den folgenden 2-Wochen Mitreisenden getroffen hatte, ging es auch gleich auf nach Tena in den Oriente (Amazonasgebietes Ecuadors). Eine 6-stuendige Busfahrt fuehrte uns ueber den oestlichen Andenruecken rein in die wunderbar gruene, frische, feuchte und saftige Oriente-Region. Wahr ich aus Quito noch relative raue Bergvegetation gewohnt, so aenderte sich dies nun mit jedem Meter, die der Bus die Serpentinen runter tiefer in den Dschungel kroch. Gras wurde zu flaechendeckendem Moos, die Baeume dichter, die Bananenpflanzen hauefiger, aus den Felswaenden flossen riesige Wasserfaelle. Fuer die naechsten drei Stunden kam ich aus dem Staunen nicht mehr raus. Lianen hingen zwischen Baeumen, Vogelgezwitscher von allen Seiten. Tena liegt nicht wirklich tief im Oriente, ist mehr das Tor zum Dschungel, aber auch schon eindrucksvoll genug. Zwei Fluesse treffen sich hier und bilden gemeinsam einen wichtigen Zustrom zum Rio Napo, der wiederrum als einzig nicht-verpesteter Fluss Ecuadors den Amazonas mit Frischwasser speist. Eine Bruecke verbindet die beiden Stadteile Tenas und ist am Abend Hauptanlaufpunkt fuer Einheimische wie einzelne Touristen. Frischen Fisch gibt es in den zahlreichen Restaurants am Ufer, ein Mann legt dir fuer zwei Dollar eine Anaconda um den Hals. Auf dem obligatorischen Fussballplatz wird noch im Halbdunkeln Fussball gespielt. Es gefaellt mir in Tena. Ich fuehle mich in der Pracht des Dschungels trotz Hitze und Feuchtigkeit wohl. Ich wuerde gerne bleiben. Doch der Zeitplan ist dicht.
Am naechsten Tag geht es schoen frueh im warmen Regen Richtung tiefstem Dschungel. Geplant sind zwei Tage bei einer Quichua-Community, den Cotopari. Nach der Fahrt bei Regem in offener Jeepladeflaeche und einem dreistuendigem Hike mit Machete durch Sekundaer-Regenwald, ueberqueren wir noch einen Fluss und gelangen ins Dorf der Cotopari. Bilderbuch. Bambushuetten, offenes Feuer, Kinder spielen Fussball auf dem obligatorischen Platz. Die Waesche haengt zum Trocknen auf den Terrassen. Sie braucht hier bei dieser Luftfeuchtigkeit ungefaehr 2-3 Tage, eh sie halbwegs trocken ist.
Wir schlafen in offenen Cabañas, bekommen traditionelle Kost gereicht und sehen, wie die Cotopari leben und von was sie sich ernaehren. Zu viel Details, um sie hier auszufuehren. Was bleibt: Das Hand-in-Hand von Natur und Mensch beeindruckt mich. Nichts hier wird auf Kosten der Natur benutzt. Strom gibt es drei Stunden am Tag. Fur die Cabañas der Touristen. Wir haben auch Duschen, die Cotopari nutzen den Fluss. Ich mache es Ihnen gleich, gehe morgens im Fluss baden, benutze am Abend Kerzen anstatt Dieselgenerator-Strom. Es fuehlt sich gut an. Ich mag es hier.
Am naechsten Tag eine drei Stunden Wanderung durch primaeren Regenwald. Ich sehe, was die Natur alles bereit haelt, probiere unglaublich viele Blueten und Fruechte, baue ein Stueck Cabaña-Dach aus Palmenblaettern. Wieder zuviel um es hier auszubreiten. Beim Blasrohr Wettkampf gewinnen natuerlich die Cotopari, vor den sich unerwartet tapfer-haltenden Walisern mit 2/3 Treffern und den aufgrund ihrer Menge auftrumpfenden Daenen. Deutschland trifft nicht. Fuehrt dabei bei der Rum-Wertung.
Weitere kleine Geschichten lassen sich ueber diesen Abend erzaehlen, aber er war zu eindrucksvoll, um ihn in ein paar blosse Worte zu fassen. Lasst euch gesagt sein, ich bekam meinen ersten Spitznamen, wurde “Ehrenmitglied” der Gemeinde und meine guten Freunde des Abends waren am naechsten Morgen nicht in der Lage das Fruehstuck zuzubereiten. Nur eins weiss ich. Der Schamane neben mir hatte recht. Der Chica de Juca Schnaps, den er mir permanent reichte, macht keine Kopfschmerzen…
Ich liebe den Dschungel und finde meinen Weg zurueck!
>> Fotos aus Tena und von den Cotopari
@me: du trottel hast bei den cotopari nicht auf den knopf gedrueckt. argh!
@all: Ich wuerde gerne hunderte Fotos mit euch teilen, allerdings ist das bei der hiesigen Internet-Verbindung unmoeglich. Ein paar kann ich euch immer als Appetit-Anreger geben. Mehr geht leider nicht. Weiterhin sind die Schmankerl auf Filmrollen festgehalten.
@max: FACEBOOK. Immer noch!
